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Rolex - Mit der Auster zum Welterfolg
Die Schweizer Marke mit der goldenen fünfzackigen Krone auf grünem Grund kommt sicher aus der wohl bekanntesten und erfolgreichsten Nobeluhren-Manufaktur der Welt.
Nur darüber reden möchte man am Unternehmenssitz in der Genfer Rue Frangois-Dussaud nicht. Alle Anforderungen an eine moderne
Unternehmenskommunikation scheinen für Rolex nicht zu gelten. Über Umsatz und Gewinn gibt es nur Schätzungen, über den ansehnlichen Immobilienbesitz wird Stillschweigen bewahrt und über Personalien oder Strategien möchten sich die Verantwortlichen schon gar nicht äußern. Insider gehen von einem Umsatz von jährlich rund 2,5 Milliarden Euro und einer beträchtlichen Rendite von etwa 25 Prozent aus. Rolex muss nicht kommunizieren - Rolex ist Kult und Mythos. Die Marke spricht für sich. Sogar über die Frage, für was der Name Rolex eigentlich steht, gibt es nur Mutmaßungen. Es könnte ein Kürzel für „horlogerie exquise" sein, aber sicher ist auch diese Interpretation nicht.
Die heute allenthalben an den Tag gelegte Verschwiegenheit der im Eigentum einer Stiftung befindlichen Manufaktur steht im Kontrast zum offenkundigen Werbetalent des Firmengründers Hans Wilsdorf. Die Wurzeln von Rolex reichen zurück ins bayerische Kulmbach. Dort wurde Hans Wilsdorf am 22. März 1881 geboren. Bereits in jungen Jahren verlor er seine Eltern und wurde von seinen beiden Brüdern und einem Onkel aufgenommen. Nach seinem Schulabschluss hätte er gute Chancen gehabt, eine Ausbildung bei einer der ortsansässigen Brauereien zu absolvieren, doch Wilsdorf, der schon im jugendlichen Alter über hervorragende Englischkenntnisse verfügte, zog es ins Ausland. Im Schweizer Uhren-Dorado La Chaux-de-Fonds fand der damals 19-Jährige einen Job als Büroangestellter und Fremdsprachen-Korrespondent bei Cuno Kourten, einem führenden Import- und Exportunternehmen, das auch mit Uhren handelte.
Vom „Uhren-Virus" infiziert, machte sich Wilsdorf selbstständig und gründete in London ein Vertriebsunternehmen für Schweizer Uhren. Der Firmenchef setzte von Anfang an auf Präzision und hohe Ganggenauigkeit. Im Juli 1908 ließ Wilsdorf den Markennamen „Rolex" in La Chaux-de-Fonds registrieren - und schon zwei Jahre später sollte eine Rolex im schweizerischen Biel die erste offizielle Auszeichnung erhalten.
Im Gegensatz zu vielen seiner Mitbewerber glaubte Wilsdorf an den Erfolg der Armbanduhren, die - so seine feste Überzeugung - in kurzer Zeit an die Stelle der Anfang des 20. Jahrhunderts noch dominierenden Taschenuhren treten würden. Zunächst mochten die Kunden dem Trendsetter aus Deutschland nicht folgen. Eine Uhr für das Handgelenk sei zu klein, zu zerbrechlich und obendrein zu empfindlich gegen Staub und Feuchtigkeit. Wilsdorf entkräftete diese Bedenken, indem er zum einen die Ganggenauigkeit seiner Armbanduhren von unabhängigen Instituten zertifizieren ließ. Zum anderen arbeiteten er und seine Mitarbeiter zielstrebig an einem absolut wasserdichten und äußerst widerstandsfähigen Uhrengehäuse.
Wilsdorf, der angesichts hoher Importsteuern England den Rücken gekehrt hatte und 1919 in Genf die „Montres Rolex SA" gründete, präsentierte schließlich im September 1926 das wasserdichte Oyster-Gehäuse (engl. Oyster = Auster), das Firmengeschichte schreiben sollte. Es war die Schwimmerin Mercedes Gleitze, die ein Jahr später einen nachhaltigen und viel beachteten Beweis für die Zuverlässigkeit und Dichtheit der Oyster lieferte. Die junge Frau durchquerte in 15 Stunden und 15 Minuten den Ärmelkanal. An ihrem Handgelenk: eine Rolex Oyster. Am Ziel angekommen, funktionierte die Uhr nach wie vor perfekt. Verständlich, dass Wilsdorf diesen Erfolg werblich geradezu zelebrierte, hatte er doch endgültig die Zuverlässigkeit von Armbanduhren nachgewiesen und damit vermutlich einen wichtigen Beitrag zum anschließenden Siegeszug dieser Zeitmesser geleistet.
Wilsdorf blieb der kreative Kopf in seiner Manufaktur. Im Jahr 1931 ließ er den von ihm persönlich entwickelten 360-Grad-Zentralrotor, den Perpetual, patentieren. Was reichlich technisch klingt, stellte einen weiteren wichtigen Durchbruch dar: Die Rolex Oyster Perpetual gilt als die erste funktionsfähige Automatik-Armbanduhr mit Rotor.
Das robuste Oyster-Gehäuse und die charakteristische Datumslupe machen Rolex-Uhren unverwechselbar. Zu den bekanntesten Modellen gehört ohne Zweifel die im Jahr 1953 lancierte Submariner - bis heute eine der führenden Taucheruhren der Welt, selbst wenn sie in der Praxis vor allem wegen ihres sportlichen Aussehens, und nicht unbedingt mit der Absicht gekauft wird, mit diesem robusten Zeitmesser unterzutauchen. Während die Submariner heute bis 300 Meter wasserdicht ist, können dem Schwestermodell Sea-Dweller sogar Tiefen bis 1.220 Meter nichts anhaben. Die erste Sea-Dweller, deren auffälligstes Merkmal die fehlende Datumslupe ist, kam 1971 auf den Markt.
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